Vor meinem Praktikum bei der nbc war eine meiner größten Hoffnungen, auch moderieren zu dürfen. Macht man in Deutschland ein Praktikum bei einem Radiosender, ist das die große Ausnahme. Beim deutschen Hörfunk der nbc hingegen kann man sich als Praktikant gleich im Programm austoben. Oder wie mir bereits vor meiner Anreise versprochen wurde: „Wir werfen die Praktikanten ins kalte Wasser“.

Marcel und ich im Studio

Marcel und ich im Studio

Der Militärmarsch „Alte Kameraden“

Gleich an meinem ersten Tag in der Redaktion bekam ich meine eigene Sendung. „Wünsch dir was!“ heißt das wöchentliche Format und macht seinem Namen alle Ehre: eine Stunde lang wird nur die Musik gespielt, die sich unsere Hörer wünschen. Die Kollegin, die die Sendung bisher gemacht hat, war krank und so sollte ich auf unbestimmte Zeit einspringen. Warum man gleich dem ahnungslosen Praktikanten die Sendung anvertraute, wurde mir schnell klar, als ich die Playlist sah: Schlager, Volksmusik und ab und zu Oldies. Ich wurde also ins Studio geschickt und dachte mir während der Songs fix etwas einigermaßen intelligentes aus, womit ich den folgenden Titel anmoderieren konnte.

Mein Techniker, der die Aufzeichnung fuhr, kannte keine Gnade und öffnete mein Mikrofon auch wirklich erst dann, wenn der allerletzte Ton verklungen war. Der sogenannte Flow wurde zu einem unerreichbaren Ideal. Deshalb kümmerte ich mich ab der folgenden Sendung selbst und schnitt meine Moderation mit der Musik zusammen.

Hier ein kleiner Zusammenschnitt einer der jüngsten Sendungen. Man beachte den Wunsch vom Gästehaus zur Waterkant aus Lüderitz: den Militärmarsch „Alte Kameraden“!

Auch nach neun Sendungen wünschen sich immer noch die gleichen Hörer Musik. Das liegt daran, dass nicht etwa jede Woche neue Wünsche in der Redaktion landen, sondern dass lange Listen treuer Stammhörer abgearbeitet werden. Teilweise handschriftlich und mit bunten Blümchen-Aufklebern verziert erreichen uns so alle paar Wochen Briefe. Mittlerweile ist einer der Hörer sogar verstorben, in Absprache mit seiner Familie wird die Wunschmusik aber weiter gespielt.

Auch wenn mich zu Beginn die Musikwünsche etwas abgeschreckt haben, so habe ich die Sendung doch lieb gewonnen. Umso mehr schmerzt es mich da, dass die bisherige Moderatorin wieder zurückkehrt und ich „Wünsch dir was“ abgeben muss. Schließlich habe ich durch die Sendung viel über die deutsche und afrikaanse Schlager- und Volksmusikszene gelernt.

Wie kommt das „Betreten verboten!“-Schild in die Mitte des Rasens?

Für eineinhalb Wochen vertrat ich eine Kollegin bei der Morgensendung „Frühaufsteher“. Das heißt natürlich früh aufstehen – halb fünf! Von 06:30 bis 10:00 werden die Namibier dann recht unterhaltsam in den Tag geschickt. Und natürlich gehören auch immer Interviews zu aktuellen Themen ins Programm, die besonders für die deutsche Gemeinschaft interessant sind. Manche Interviewpartner sind aber etwas zu gut vorbereitet. Und dann kann es auch noch passieren, dass einem die Technik einen Streich spielt:

(Man beachte besonders das Ende)

Ein Großteil der Sendung besteht aus festen Rubriken. Dazu gehört auch das internationale und namibische Kalenderblatt:

Fester Bestandteil einer jeden Morgensendung ist „Namibia Hautnah“. Zunächst als Provisorium entstanden, erfreute sich die Rubrik über die namibische Natur so großer Beliebtheit, dass nun jeden Tag eine neue Pflanze vorgestellt wird. Die Namibier lieben eben ihr Land:

Wohl die beliebteste Rubrik ist die Frage des Tages. Jeder Anrufer mit der richtigen Antwort kommt auf eine Liste. Am Ende der Woche werden dann drei Preise unter allen Anrufern verlost. In diesem Fall ging es nicht um die richtige, sondern um eine möglichst kreative Antwort:

In Namibia ist immer Karneval

Nachdem das Praktikum meiner Mitbewohnerin Uli zu Ende war, übernahm ich von ihr die Servicesendung Karussell, oder wie Marcel es so schön genannt hat: die akustische Pinnwand der Farmer. Hier kann jeder Gesuche und Angebote einreichen, die dann über den Äther geschickt werden. Dazwischen gibt’s eine Tierrubrik, Haushaltstipps und die Veranstaltungshinweise für die kommenden sieben Tage. Wer viel Ausdauer hat, dem empfehle ich die kompletten 25 Minuten zu hören. Man erhält einen guten Einblick in die Anliegen und Bedürfnisse der deutschen Gemeinschaft in Namibia:

Dass ich auch die Werbung gesprochen habe, ist weniger kritisch als mehr ein Glücksfall: Oft müssen Werbespots als sogenannter Live-Read gelesen werden! Das Problem der Verquickung von redaktionellem Inhalt und Werbung wird als nicht so bedeutsam angesehen.

Mein eigener Stempel

Sicherlich würde vieles, was im deutschen Programm läuft, in keinem deutschen Radio über den Sender gehen. Und auch ich habe mich am Anfang mit vielen etablierten Rubriken bzw. Arbeitsweisen schwer getan. Fakt ist aber, dass unter den gegebene Bedingungen doch ein recht gutes Programm entsteht. Und Fakt ist auch, dass die Hörer ihren deutschen Dienst lieben. Wenn es wirklich böse Kritik hagelt, dann weder über die Werbung, noch über die „Interviews“ sondern vor allem über die Musik, die vielen nicht deutsch genug ist.

Viele Sendungen sind recht locker aufgebaut, starre Formate oder gar Stylebooks gibt es nicht. Und so kann ich als Praktikant dem Programm des deutschen Hörfunks der nbc meinen eigenen Stempel aufdrücken. Ich habe gut gelernt, im kalten Wasser zu schwimmen.

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Filed under: AllgemeinAudioNamibiaNBC

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