Vor 107 Jahren kämpften die Soldaten der deutschen Schutztruppe in der Schlacht am Waterberg gegen die Herero. Nach dem Herero-Aufstand versuchte Generalleutnant Lothar von Trotha die am Waterberg versammelten Herero einzukesseln und zu vernichten. Zahlreichen Herero gelang die Flucht in Richtung Osten, von Trotha ließ die Wasserversorgung abschneiden, wodurch viele der Flüchtenden verdursteten. Dieses Vorgehen gilt als erster Völkermord des 20. Jahrhunderts.

Jedes Jahr gedenken die Red-Flag-Herero am letzten Wochenende im August den Opfern in der Kleinstadt Okahandja. Sie pilgern zu den Gräbern unter anderem ihrer dort beerdigten Führer Maharero, Samuel Maharero und Hosea Kutako. Zum Start meiner zehntägigen Tour durch Namibia fuhr ich nach Okahandja, um mir die Zeremonien am Herero-Day/Red-Flag-Day anzusehen.

Wegweiser

In einer Parade ziehen die Herero durch Okahandja zum Herero Heroes Cemetry. Angeführt wird der Umzug von uniformierten Reitern, gefolgt von Kapellen und Herero in Marschformation. Die Uniformen sind keineswegs Teil der offiziellen Kleidung der namibischen Streitkräfte. Es sind Fantasie-Uniformen, angelehnt an die Kleidung der Soldaten der deutschen Schutztruppe.

Tradition und Moderne

Tradition und Moderne

Einheitliche Uniformen gibt es nicht - man nimmt, was man hat

Einheitliche Uniformen gibt es nicht - man nimmt, was man hat

Unter lauten Kommandos wird zum Friedhof marschiert

Unter lauten Kommandos wird zum Friedhof marschiert

Auch die Kleinsten sind schon mit dabei

Auch die Kleinsten sind schon mit dabei

Auch moderne Uniformen werden übernommen

Auch moderne Uniformen werden übernommen

Den uniformierten Männern folgen die Frauen. Ihre Tracht stammt aus der Zeit der deutschen Missionare. Angeblich hielten diese die „halb-nackte“ Kleidung der Herero für anstößig, weshalb sie die Kleider im viktorianischen Stil einführten. Eine andere Geschichte besagt, dass die Frauen der deutschen Auswanderer es missbilligten, dass ihre Männer den leichtbekleideten Herero-Frauen hinterher sahen und sie deshalb die eher bedeckende Tracht auferlegten.

Je nachdem, welchem Herero-Stamm die Frauen angehören, sind sie in unterschiedlichen Farben gekleidet. So tragen die Herero-Frauen aus der Region um Okahandja rot, Herero aus der Region um Gobabis Grün.

Am Schluss des Umzuges dürfen sich auch Touristen einreihen, um der Zeremonie beizuwohnen.

Die Veranstaltung wird live im Radio übertragen. Ganz afrikanisch wird dazu einfach ein schnurloses Telefon verwendet, mit dem die Ansprachen zur nbc übermittelt werden.

Radio-Übertragung per Schnurlos-Telefon

Radio-Übertragung per Schnurlos-Telefon

Erst umkreisen die Männer, dann die Frauen das Grab

Erst umkreisen die Männer, dann die Frauen das Grab

Grab der Maharero-Dynastie

Grab der Maharero-Dynastie

Chief Itamunisa Ehrenst

Chief Itamunisa Ehrenst

Herero-Häuptling Willem Maharero

Herero-Häuptling Willem Maharero

Die Menschenmenge zieht der Reihe nach zu drei Friedhöfen. Auf dem letzten, dem Friedhof der ehemaligen Rheinischen Mission, liegen neben den Hereroführern deutsche Soldaten begraben.

Reiter Theodor König

Reiter Theodor König

John Sekese

John Sekese

Werner Schenk Freiherr von Stauffenberg

Werner Schenk Freiherr von Stauffenberg

Als Zuschauer kann man den Eindruck gewinnen, dass die Herero-Gemeinschaft, verbunden durch ihre Tradition, eine Gruppe mit großem Zusammenhalt bildet. Jedoch sind einige Gruppen zerstritten, was auch am Herero-Day 2011 wieder deutlich wurde.

 

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Filed under: FotosNamibia

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