Die Living Culture Foundation will für alle Volksgruppen Namibias ein Lebendes Museum schaffen. In der Nähe von Twyfelfontein habe ich das Projekt der Damara besucht und gelernt, wie man mit Eselsdung Feuer macht.

Damara Living Culture Museum

Damara Living Culture Museum

Auf meiner Reise durch Namibia bin ich auch durch das Damaraland gefahren. In diesem Gebiet im Nordwesten Namibias hatte die südafrikanische Regierung zur Zeit der Apartheid im Rahmen des Odendaal-Plans ein Homeland für die Damara eingerichtet. Durch diese Politik sollte die nicht-weiße Bevölkerung nach Ethnien getrennt und in Abhängigkeit von der weißen Regierung leben. Diese Homelands wurden mit der Unabhängigkeit Nambias 1990 abgeschafft.

Die meisten Damara leben heute entweder in der Stadt oder als Arbeiter auf Farmen. Um die traditionelle Kultur der Damara zu bewahren, gründete die Living Culture Foundation das Lebende Museum der Damara. In der Nähe von Twyfelfontein kann man so ein traditionelles Damara-Dorf besuchen und sich zeigen lassen, wie die Damara einst lebten. Neben dem Dorf der Damara gibt es sechs weitere Projekte, die zum Teil gerade aufgebaut werden.

Otto von Bismarck

Otto von Bismarck

Unser Guide stellte sich vor als Otto von Bismarck. Diese kreative Art sich entsprechend der Herkunft der Besucher zu benennen ist mir in Namibia schon des Öfteren begegnet. Das Dorf besteht aus vielleicht zwölf kleinen Hütten, wo von den traditionellen Heilkräutern über die Lederherstellung bis hin zur Schmiedekunst gezeigt wird, wie früher das Leben in einem Damara-Dorf aussah oder jedenfalls ausgesehen haben könnte. Denn um das Lebende Museum zu schaffen, musste erst einmal die alte Kultur neu entdeckt werden.

Mit einem Stein schmieden die Damara Messer und Äxte

Mit einem Stein schmieden die Damara Messer und Äxte

Otto von Bismarck zeigt uns verschieden Heilkräuter

Otto von Bismarck zeigt uns verschieden Heilkräuter

Mit einfachsten Mitteln bauten die Damara Fallen

Mit einfachsten Mitteln bauten die Damara Fallen

Die Hütten bestehen aus Holz, Rinde und Stroh

Die Hütten bestehen aus Holz, Rinde und Stroh

Mit Rinde werden die Holzstäbe verbunden

Mit Rinde werden die Holzstäbe verbunden

Als ich zum ersten Mal von Living Culture Projekt gehört hatte, kamen mir Zweifel. Ist es richtig, Menschen in ihrem Alltag zu beobachten und durch ihr Dorf zu spazieren wie durch einen Zoo? Schnell stellte ich aber fest, dass dieser Vergleich hinkt. Die Dorfbewohner leben keineswegs tatsächlich dort, vielmehr ist es ihr Arbeitsplatz. Durch das Projekt erhalten sie ein festes Einkommen, gleichzeitig wird so ihre traditionelle Kultur erhalten und Besuchern zugänglich gemacht.

Als Otto von Bismarck uns bat, unter einem kleinen Unterstand Platz zu nehmen, denn „now we will sing and dance for you“, fühlte ich mich dann aber doch wieder wie in einem Theaterstück. Die Darsteller zogen der Reihe nach auf den Dorfplatz, sangen und tanzten. Das klingt dann so:

Besonders beeindruckt hat mich, wie die Damara Feuer machen. Der Trick: getrockneter Eselsdung. In einer Vertiefung eines Holzstücks wird etwas Dung gelegt. Dann muss man einen Holzstock in der Vertiefung mehrmals schnell drehen, indem man diesen zwischen den Händen reibt. Eine kleine Glut entsteht, die dann mit trockenem Gras und viel Pusten zur Flamme wird. Dass man auf diese Art Feuer machen kann hatte ich zwar vorher schon gehört. Zu sehen, wie jemand aber in Sekundenschnelle eine Flamme entfacht, hat mich beeindruckt.

Alles in allem war der Besuch im Living Museum hochinteressant. Ich kann jedem Namibiareisenden empfehlen, eines der Dörfer der Living Culture zu besuchen. Man erhält einen einzigartigen Einblick in das traditionelle Leben früherer Zeiten und unterstützt gleichzeitig die einheimische Bevölkerung.

 

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Filed under: AudioFotosNamibia

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