Namibia hat seinen Skandal: Am Samstag wurden die jährlichen Namibia Music Awards in Windhoek verliehen. Unter den Preisträgern: Die namibische Musikerin Lady May. Sie wurde für die beste House-Musik 2011 ausgezeichnet. Den Preis nahm sie artig entgegen, bedankte sich dann aber mit „Love me or hate me, but I’ll forever be Lady May“ und zeigte den Stinkefinger. Als Zugabe gab’s noch ein „Good night Motherfuckers“.

Nun könnte man vermuten, dass außer ein wenig missmutigem Raunen über den verbalen Tiefschlag nichts weiter durch den Blätterwald gerauscht wäre. Im Vergleich zu den Texten mancher Berliner Rapper ist „Motherfuckers“ fast noch Hochsprache. In Namibia hingegen löste Lady Mays „Dank“ einen Skandal aus. Noch auf der Bühne versuchten der Intendant der Namibian Broadcasting Corporation (NBC) und der Vertreter des Hauptsponsors die Situation zu entschärfen. Am Montag war Lady May dann auf den Titelseiten aller wichtiger Tageszeitungen.

Am Montag war Lady May auf allen Titelseiten

Am Montag war Lady May auf allen Titelseiten (The Namibian, Allgemeine Zeitung, New Era).

Interessant: Selbst bei der Berichterstattung über den „Vorfall“ zensierte sich die Tageszeitung „The Namibian“ selbst. Mit der kreativen Schreibweise „mother f%*#ers“ wurde das schmutzige Wort umgangen (Leetspeak scheint hier noch nicht bekannt zu sein. Ich wäre für „M0th3rfuck3r5“).

"Motherfuckers" war für den Namibian dann doch zu viel

"Motherfuckers" war für den Namibian dann doch zu viel. The Namibian vom Montag, 06.06.2011

Ziel erreicht? In Deutschland vielleicht. Die mediale Aufmerksamkeit ist Lady May gewiss. In Namibia hat solch eine Aktion aber ernsthafte Konsequenzen. Ihren Preis und das Preisgeld in Höhe von 20.000 N$ (ca. 2.000 €) musste Lady May zurückgeben. Ihre Songs und Videos dürfen im Programm der NBC nicht mehr gespielt werden.

Allgemeine Zeitung (AZ) vom Montag, 06.06.2011

Allgemeine Zeitung (AZ) vom Montag, 06.06.2011

Dass sie sich verkalkuliert hat, scheint Lady May wohl gemerkt zu haben. Auf einer Pressekonferenz erklärte sie sich laut Allgemeiner Zeitung (AZ) mit den Worten „Obwohl ich mich aus dem, was passiert ist, nicht herausreden will, möchte ich Sie bitten, den Vorfall im Kontext einer sehr emotional aufgeladenen Situation zu sehen.“ Alkohol oder Drogen, wie zunächst vermutet, sollen nicht im Spiel gewesen sein.

Lady May zeigt sich reumütig. AZ vom Dienstag. 07.06.2011

Lady May zeigt sich reumütig. AZ vom Dienstag. 07.06.2011

Fazit: In Namibia kann man noch mit sehr viel weniger für Aufregung sorgen, als in Deutschland (das schreibe ich vollkommen wertfrei). Aber auch bei uns sorgten z.B. drei junge Musikerinnen in den 90ern mit Titeln wie „Ich find dich Scheiße“ für ordentlich Wirbel.

Bei den jungen Namibiern scheint Lady May mit ihrem Auftritt jedenfalls Eindruck gemacht zu haben. Am Montag traf ich in der Windhoeker Innenstadt zwei mal auf Jugendliche, die sich gegenseitig bzw. die Passanten mit Stinkefinger begrüßten.

Tagged with:

Filed under: NamibiaNBC

Like this post? Subscribe to my RSS feed and get loads more!